Wie du deine Preise als Freelance-Texter wirklich festlegst

Jeder will von dem leben können, was er beruflich macht, richtig?

Bzw. die Preise, die er für sich und sein Business festgelegt hat, bezahlt bekommen.
Dahingehend sind alle, egal ob Texter, Architekt oder Mechaniker, gleich.

Der entscheidende Unterschied liegt im Bedürfnis nach deren Dienstleistung, des damit assoziierten DIY-Potenzials und der dadurch existenten Wertschätzung – oder eben halt nicht.

Was ich damit meine?
Ein kleiner Exkurs …

Ca. 90 % aller Deutschen können Schreiben – mindestens 50 % davon denken, sie können es selbst, (zumindest für ihre Bedürfnisse), ausreichend gut.
Also wird fleißig selbst geschrieben – gelesen und verstanden werden wird es schon irgendwie können.
Kein Problem da, kein Bedürfnis.

Ein geschätzt nur einstelliger Prozentsatz aller Deutschen kann hingegen ein neues Getriebe für sein Auto einbauen, wenn dieses den Geist aufgegeben hat.
Also wird hier lieber Profis vertraut, da man gar nicht wüsste, wo man bei der Problemlösung anfangen sollte.
Und der Preis dafür? Nun ja, was die Werkstatt halt verlangt.

Dieser Sichtweise sehen sich tagtäglich all diejenigen gegenüber, die beruflich etwas tun, das vermeintlich viele können bzw. das vermeintlich leicht und schnell erlernbar ist:

  • Verkäufer (»pf, na klar«),
  • Friseur (»joa, einen Versuch ist es wert«),
  • Social-Media-Manager (»haha, dieses Instagram soll einfach meine Tochter machen, die sitzt sowieso den ganzen Tag vorm Handy«) …

Manchmal aber auch nicht:

  • Fotograf (»hm, vielleicht doch lieber jemand, der mit einer Spiegelreflex wirklich umgehen kann«)
  • Dachdecker (»ne, gehen wir lieber kein Risiko ein«),
  • Chirurg (»Gott bewahre, niemals«).

Das Bedürfnis für eine Dienstleistung entsteht also erst, sobald jemand denkt, er könne es nicht selbst oder nicht allein oder dass es andere zumindest besser können.
Und es entsteht, sobald jemandem die professionellere Lösung es wert ist.

Texter gehören dabei eher in die erstere Gruppe.
Aber weißt du was? …

… in dieser Einsicht liegt nicht die Lösung

Diese DIY-Mentalität und dieser „Wertschätzungskram“ ist nur das Problem der von außen Wahrnehmenden – was in diesem Leben wahrscheinlich nicht lösbar und auch im nächsten Leben nicht deine Zeit wert ist.

Also lasst uns uns um das kümmern, das wir tatsächlich kontrollieren können:
Nur dein eigenes Selbstbewusstsein gegenüber deinem Beruf und das richtige Mindset dabei können helfen.
Ganz besonders deine eigene Wertschätzung für das, was du beruflich machst, und wie du dich durch sie präsentierst.

Du musst dich also nicht um diejenigen kümmern, die generell deinen Beruf und deine angebotenen Dienstleistungen nicht wertschätzen.
Das wäre wie Perlen vor die Säue werfen.

Jemandem, der deine Arbeit generell nicht anerkennt, kannst du deine Dienstleistungen sogar für absolute Dumpingpreise anbieten und dennoch würde er sie nicht wertschätzen und dementsprechend auch nicht kaufen.

Was hat jetzt das Ganze mit deiner Preisfindung als Freelancer zu tun?

Deine Ausgangssituation

Nun, du weißt, was dir Spaß macht, was du besser kannst als andere und welche Erfahrungen du damit bereits hast.

Du hast allerdings noch überhaupt keinen Plan, was du dafür verlangen kannst bzw. sollst.
Vor allem, wenn du bereits Erfahrung mit den oben genannten Pappenheimern hast, die für deine Skills nur wenig oder gar nicht bezahlen würden.

Daneben weißt du auch, was du für dich selbst, für deinen eigenen Lebensunterhalt verdienen müsstest – willst aber mit zu hohen Preisen keine potenziellen Kunden vergraulen.
Bzw. traust du dich auch vielleicht noch nicht, zu den Preisen, die du eigentlich festgelegt hast, selbstbewusst zu stehen und „Niedrigpreis-Kunden“ abzulehnen.

Du suchst ständig den optimalen Punkt zwischen Preisen, die deine Arbeit bezahlen, aber auch für den Kunden in Ordnung sind, oder?

Nun, falscher Ansatz.
Ganz besonders der Punkt „Preise finden, die auch für den Kunden in Ordnung sind“.

Hier kommt dein zuvor erwähntes Selbstbewusstsein und die Wertschätzung deiner beruflichen Betätigung ins Spiel:
Sobald sich dein Mindset auf einer gesunden, selbstliebenden und wertschätzenden Ebene befindet und du selbstbewusst zu deinen Leistungen stehst, kannst du exakt DIE Preise verlangen, die du auch haben willst!

Nope, kein Traum, keine Augenwischerei,
… die Realität.

Natürlich nur mit ein paar Voraussetzungen und Vorüberlegungen …

Richtige Preisfindung

Es ist ein immer wiederkehrender Schmerz.
Ein Schmerz, der dich ständig zweifeln lässt.

Aber mal ganz frei heraus:
Deine Preise sind kein Big Deal!

Und genauso frei heraus kannst du sie auch kommunizieren, sobald du sie festgelegt hast und selbstbewusst zu ihnen stehst.

Denn dein Stundensatz bzw. deine Wort- oder Paketpreise sind deine Existenzgrundlage!
Deine Preise bestimmst allein du – genauso wie auch nur DU dein Leben generell bestimmst.
Ein konstruktives Infragestellen gehört dazu, aber nicht, wenn der Anstoß von anderen kommt.

Okay, okay, ich weiß, du willst etwas Konkretes hören

Frag dich als Erstes, nicht wie viel du verlangen KANNST oder wie viel am Markt gerade gang und gäbe ist, sondern wie viel du verlangen WILLST.
(Die folgenden Angaben sind übrigens für deinen Start gedacht und dein Umsatzziel sollte kontinuierlich nach oben ausgedehnt werden.)

Ganz konkret kannst du deine Kalkulation von hinten aufrollen:

1. Kosten

Welche fixen Kosten hast du persönlich und wie viel willst du verdienen?
Beispiel: Du hast fixe Kosten von monatlich 1.500 € und brauchst weitere 1.000 € für deine Freizeit, Urlaube etc.

2. Umsatzziel

Dementsprechend solltest du ein Umsatzziel von mindestens einem Drittel mehr, also ca. 3.500 € haben, da davon noch Steuern, Versicherungen, Ausgaben für dein Business, Investitionen, Rücklagen etc. abgehen.

3. Stundensatz

Um dort hinzukommen, solltest du optimalerweise einen Stundensatz von ca. 80 € anpeilen.

Falls dir das jetzt zu hoch erscheint:
Für alles unter 60 € brauchst du als Selbstständiger gar nicht erst anfangen, dann arbeitest du nämlich zum Teil umsonst.
(Je nach Ausbildung, Erfahrung und Spezialisierung/Skills solltest du diesen Satz selbstverständlich nach oben hin anpassen.)

Wenn du deinen Stundensatz berechnest, darfst du übrigens nicht vergessen, dass du natürlich auch die Zeit für Marketing, Akquise, Krankheit und Urlaub berücksichtigen musst!
Stichwort effektive vs. verkaufbare Stunden.

Effektiv kannst du also im Durchschnitt nur 15 Stunden an deine Kunden verkaufen, (wenn du nicht im Burnout enden willst.)
(Bei 60 € Stundenlohn wären das 3.600 € im Monat – wie du erkennen kannst, macht meine Kalkulation Sinn. 😉 )
Schöner Nebeneffekt: Die für deine Kunden verfügbaren Stunden erscheinen umso kostbarer, wodurch du diese automatisch sehr sorgfältig auswählst.

Problem Mindset

Du meinst, dass diese Kalkulation völlig utopisch ist?
Bzw. dass bestimmt keiner bereit ist, dir diese Preise zu bezahlen?

Nun, Feilscher und Pfennigfuchser wird es immer geben. Genauso wie diejenigen, die dich für deine Kalkulation vielleicht belächeln.
Aber das sind auch nicht die Kunden, für die du arbeiten willst.

Es wird immer potenzielle Interessenten geben, die deine Arbeit nicht gänzlich wertschätzen und dementsprechend auch nicht deine Preise bezahlen wollen.
Aber dann brauchen sie dich auch nicht wirklich — verschwende nicht deine Zeit mit ihnen.

Verkaufe nicht deine Arbeitszeit

Abgesehen von dieser Kalkulation, die nur für DICH intern als Kalkulationsbasis dienen soll, verkaufst du nicht deine Arbeitszeit, sondern Endergebnisse bzw. Lösungen für deine Kunden.

Das heißt, deine Kunden müssen gar nicht wissen, wie lang du für eine Dienstleistung brauchst. Das ist für sie auch nicht wichtig, da nur das Endergebnis zählt, das du ihnen lieferst.

Und ihnen direkt auf die Nase binden, dass sie natürlich auch zu 50 % den Erhalt deiner Selbstständigkeit und nicht nur die Leistung an sich bezahlen, musst du auch nicht. Das ist zwar eigentlich selbstverständlich, jedoch für Nicht-Selbstständige oft nicht nachvollziehbar.

Aber das ist nicht dein Problem.
Wie lang du für einen Auftrag brauchst, ist komplett deine Sache – genauso wie du auch frei auswählen kannst, wo und wie du den Auftrag erledigst.

Empfehlung: Erstelle eine interne Preisliste

Um über deine Paketpreise und die für deren Kalkulation zugrunde liegenden effektiven Stunden einen besseren Überblick zu haben, empfehle ich dir, eine interne Preisliste (nur für dich!) zu erstellen.

Hier trägst du z. B. ein, wie lang du für einen Blogartikel zum Thema xy gebraucht hast.
Leg auch gern eigene Parameter fest, die dir dabei helfen können, eine Leistung besser einzuordnen.

Mithilfe dieser Preisliste kannst du erkennen, wie lang du tatsächlich für eine Dienstleistung brauchst und ob dir die Preise, die du dafür verlangst, auch tatsächlich ausreichen.

Money, money, money

Apropos monatlicher Verdienst:
Ich empfehle dir, auch wenn du erst am Anfang stehst, deine Rechnungen auf ein eigenes Geschäftskonto begleichen zu lassen.
Und dementsprechend natürlich auch alle Ausgaben darüber laufen zu lassen.
Du selbst zahlst dir auf dein privates Konto ein Geschäftsführer-Gehalt aus.

Durch diese Aufteilung hast du einen besseren Überblick über dein Business und kannst Privates und Geschäftliches perfekt voneinander trennen.

Als Geschäftskonto für Freelancer kann ich besonders N26* oder auch Revolut empfehlen.

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